Sultans of Swing
Mit den Sultans of Swing eröffnete eine Band das Konzertjahr 2026 der Satruper Kammerkonzerte, die bereits bestand, als sich der Kammermusikverein gründete, und deren Mitglieder allesamt zu den festen Größen der schleswig-holsteinischen Jazzszene zählen, Urgesteine gewissermaßen. Schon zum fünften Mal gestaltete das Ensemble den Jahresauftakt mit Musik der Swing Era – und bestätigte eindrucksvoll, warum man ihm diese Aufgabe immer wieder gerne anvertraut. Spürbar war vor allem die ansteckende Freude an dieser lebendigen Musik – und, ja, auch der Spaß daran, den eigenen Job richtig gut zu machen. Ein Selbstverständnis, das sich nicht als kurzfristiger Nostalgie-Trend zeigt, sondern seit inzwischen bald drei Jahrzehnten Bestand hat.
Was vom ersten Ton an auffiel, war der kompromisslose Anspruch an Klang und Präzision. Die Bläsersection präsentierte sich glasklar und hörbar auf optimalen Sound bedacht. Präzision war dabei keine Selbstzweckdisziplin, sondern die Grundlage für eine ebenso differenzierte wie entspannte Klangentfaltung. Alles wirkte perfekt ausbalanciert – und das ganz ohne Mischpult: rein akustisch, aber dennoch von einer Transparenz, wie man sie sonst nur von sorgfältig abgemischten Produktionen kennt.
Charakteristisch für den Abend war das ausgeprägte Understatement der Band. Der Gesamtsound stand stets an erster Stelle; selbst in den Soli blieb das Bewusstsein für das Ganze gewahrt. Niemand drängte sich in den Vordergrund, alle blieben hörbar, eingebunden, präsent. Dieses zurückhaltende Musizieren weckte Aufmerksamkeit, ohne sie zu erzwingen – es lud die Zuhörenden ein, statt sie zu überwältigen.
Passend hierzu nahm der Bandleader und Arrangeur Jens Köhler einen eher unauffälligen Platz ein und versah, ganz Freddie-Green-like, seinen Dienst an der Gitarre. Umso deutlicher traten seine genialen Arrangements hervor: Gerade einmal vier Bläser waren so gesetzt, dass sich auch komplexere Harmonien mühelos entfalten konnten; nicht selten hatte man das Gefühl, es mit sechs oder acht Stimmen zu tun zu haben.
Ein besonderer Glanzpunkt des Abends war der Gastauftritt von Levke Groth. Mit ausdrucksstarker Stimme, hervorragenden Entertainerqualitäten und einer beeindruckenden stilistischen Bandbreite – vom Swing-Standard bis zum soulgetränkten Blues – eroberte sie augenblicklich die mehr als 160 Zuhörer:innen.
Durch das Programm führte der Posaunist Arvid Maltzahn charmant mit viel Wissenswertem über das Who-Is-Who in der amerikanischen Bigband-Szene. Bei der letzten Zugabe mit Bert Kaempferts „Dankeschön“ schnappte dann sicherlich bei manchen doch noch kurz die Nostalgiefalle zu. Fehlte nur noch ein abschließendes: „Sie hörten aus dem Studio des Senders Freies Berlin …“ - und die Illusion wäre perfekt gewesen.