Salicornia

Ein kleines Heimspiel war dieses Konzert durchaus: Mit Michael Mages, Katja Kanowski und Gerold Jensen waren drei Musiker aus unserer Region zu Gast, so sind Mages und Kanowski als A-Kirchenmusiker in Flensburg beziehungsweise Eckernförde tätig. Ihre gemeinsame Leidenschaft aber gilt der europäischen Folklore – und ganz besonders den Instrumenten, auf denen sie gespielt wird.

Vor vielen Jahren entdeckten die drei ihre Begeisterung für die traditionelle Musik Europas und begannen, sich intensiv mit deren Instrumentarium zu beschäftigen. Zur Irish Whistle und den Uilleann Pipes gesellte sich die schwedische Nyckelharpa. Bei den Uilleann Pipes handelt es sich um die irische Variante des Dudelsacks, gespielt mit dem Ellenbogen – daher auch der irisch-gälische Name, der sich sinngemäß als „Ellenbogenpfeife“ übersetzen lässt. Die Nyckelharpa wiederum ist ein Streichinstrument mit einer aufwändigen Tastenmechanik; „nyckel“ bedeutet im Schwedischen Schlüssel.

Was zunächst vielleicht nach einem sehr speziellen Steckenpferd klingt, ist inzwischen längst auf der Konzertbühne angekommen. Seit 2024 sind die drei Musiker mit ihrem Programm deutschlandweit unterwegs. Für die Satruper Kammerkonzerte war es nun an der Zeit, diese ungewöhnliche Formation auch einmal vor heimischem Publikum vorzustellen.

Dreh- und Angelpunkt des Programms war die Musik des irischen Harfenisten und Komponisten Turlough O’Carolan (1670–1738), eines Zeitgenossen Johann Sebastian Bachs. Auch wenn die musikalischen Welten der beiden auf den ersten Blick kaum weiter voneinander entfernt sein könnten, verband sie doch mehr, als man zunächst vermuten mag: O’Carolan war mit der europäischen Kunstmusik seiner Zeit vertraut und verband deren Einflüsse mit der irischen Musiktradition. 

Besonders unmittelbar war diese Begegnung durch die Instrumente selbst zu erleben. Nyckelharpa und Uilleann Pipes gehören schließlich nicht gerade zum täglichen Konzertbetrieb. Ihre Klänge waren entsprechend ungewohnt – und gerade deshalb reizvoll. Die Nyckelharpa brachte einen warmen, obertonreichen Streicherklang in den Kirchenraum, während die Uilleann Pipes mit ihrem charakteristischen, zugleich weichen und intensiven Ton eine ganz eigene Atmosphäre entstehen ließen.

Gerold Jensen erwies sich dabei als ausgesprochen versierter und ausdrucksstarker Flötist. Sein Spiel auf der Irish Whistle war technisch souverän, ohne dass die Virtuosität je zum Selbstzweck wurde. Vielmehr kam hier die ganze Vielfalt der irischen Ornamentik zur Geltung: reiche Verzierungen und eine lebendige Phrasierung verliehen den Melodien eine bemerkenswerte Unmittelbarkeit. Wunderbar aufeinander eingespielt die Duos mit Katja Kanowski, die überdies mit ihrem Gesang das Publikum einzunehmen wusste.

Das Orgelspiel von Michael Mages, der sich für seine tief inspirierte und fesselnde Improvisationskunst einen Namen gemacht hat, schlägt die Brücke zur europäischen Kunstmusik. Aus dem Choral „Himmel, Erde, Luft und Meer“, der seinerseits aus derselben musikalischen Epoche stammt, entwickelte er sieben sehr unterschiedliche und technisch anspruchsvolle Verwandlungen. Mal war die Choralmelodie deutlich erkennbar, mal schien sie sich beinahe aufzulösen, um in einer neuen musikalischen Gestalt wieder aufzutauchen. So entstand ein spannender Gegenpol zu den irischen und schwedischen Klängen des Programms.

Gerade diese Verbindung machte den besonderen Reiz des Abends aus. Hier wurde nicht versucht, unterschiedliche musikalische Welten künstlich auf einen Nenner zu bringen. Vielmehr konnten sie nebeneinanderstehen, aufeinander reagieren und ihre jeweiligen Eigenheiten behalten. 

Für die rund 120 Zuhörerinnen und Zuhörer war es jedenfalls eine Begegnung mit Klängen, die man in einem Kammerkonzert nicht alle Tage zu hören bekommt. Und der begeisterte Applaus am Ende zeigte, dass sich die hingebungsvolle Beschäftigung der drei Musiker mit ihren Instrumenten und der europäischen Folklore auch für das Publikum hörbar ausgezahlt hat.

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Trio Popp.Roß.Dohrmann